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Wochenende in den Yellow Mountains

Ende September stand das Mid-Autumn-Festival an, was im chinesischen Mond-Kalender die Mitte des Herbstes kennzeichnet. Zu diesem Anlass werden traditionell Mondkuchen verschenkt und verspeist. Wir nahmen uns vor, den Feiertag für ein langes Wochenende im mit ca. 1800 Metern nicht höchsten aber vielleicht schönsten Gebirge Chinas zu nutzen und machten uns zu acht Donnerstag abends auf den Weg nach Huangshan (Yellow Mountains) in der Anhui Provinz.


Mit genug Verpflegung und netten Bekanntschaften in unserem Abteil brachten wir die 11-stündige Zugfahrt in die Stadt Huangshan hinter uns. Besonders in Erinnerung wird uns eine fürsorgliche chinesische Dame bleiben, die sich aufgrund unseres öffentlichen Bierkonsums vielleicht geschämt haben mag, aber dennoch Simon im Schlaf ihre Jacke überlegte um ihn vor der Kälte zu schützen. Nach der Zugfahrt kamen wir durch eine abenteuerlicher Rikscha-Fahrt zu unserem Hostel und verbrachten den Rest des Tages damit, die historischen Dörfer Xidi und Honcun zu besuchen. Die Häuser in den engen Gassen stehen dort schon seit der Qing-Dynastie (14.-19. Jhd.), womit sie zu den wenigen Stätten gehören, die nicht während der Kulturrevolution zerstört worden sind.




Nachdem wir uns einen entspannten, wenn auch nicht stressfreien, Abend in den naheliegenden Thermen gegönnt hatten, machten wir uns am darauffolgenden Tag an den Aufstieg ins Gebirge. Was sich idyllisch anhört heißt im Klartext, dass wir mit einem von hunderten vollen Touristenbussen zur Talstation angekarrt wurden, wo wir das Ticket für den Nationalpark kaufen mussten. Und dann begann das große Treppensteigen. Denn um das Gebirge für die großen Massen an chinesischen und ausländischen Besuchern zu erschließen, hatte man jeden Pfad bestens mit Pflastersteinen ausgebaut und meistens mit Geländer gesichert. Von diesen Umständen, dem dichten Nebel und phasenweisem Starkregen, ließen wir uns jedoch nicht entmutigen, den drei- bis vierstündigen Marsch nach oben zu Fuß vorzunehmen, während die meisten Touristen zu den Seilbahnen strömten. Auf dem Weg passierten wir immer wieder Lastenträger, die trotz vorhandener Gondeln bis zu 100 Kilo an Wasser, Reis und sonstiger Verpflegung für die Hotels den Berg hinaufhieven mussten.



Oben angekommen wurden wir mit atemberaubenden Blicken belohnt, die uns der sich aufklärende Nebel ermöglichte. Die Nacht verbrachten wir in Zelten direkt neben einem der Hotels, um am Morgen die restlichen Gebiete des Nationalparks zu erkunden. Weil sich die meisten Chinesen teilweise mit Flip-Flops an den Füßen auf kurze Distanzen rund um die Gondeln beschränkten, nahmen wir einen weiteren langen Marsch auf uns und konnten somit die tiefen Schluchten und steilen Felswände fern von den Massen bewundern. Sonntag abends ging es für den Großteil unserer Gruppe wieder mit dem Nachtzug zurück nach Shanghai. Der Rest verbrachte noch einen weiteren Tag in den gelben Bergen.



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